Geschichte der Christuskirche Köln

Christuskirche Köln 1894

Die Christuskirche am Kölner Stadtgarten ist die erste Kirche in Köln, die aus eigenen Mitteln der Evangelischen Gemeinde Köln finanziert wurde.

Als die Stadt nach Niederlegung der mittelalterlichen Stadtmauer Ende des 19. Jahrhunderts um die Neustadt erweitert wurde, schuf man mit dem Ring als Achse eine hierarchische Abfolge von Straßen und Plätzen, auf denen oft Kirchen stehen - etwa die Agneskirche an der Neusser Straße oder die Herz-Jesu-Kirche auf dem Zülpicher Platz. Diese Kirchen prägen ihr jeweiliges Umfeld. 

Zu diesen Kirchen gehört auch die Christuskirche am Stadtgarten, die vom Kaiser-Wilhelm-Ring aus zu sehen ist. Die Evangelische Gemeinde Köln beschloss 1885, diese neue Kirche mit 1200 Sitzplätzen zu errichten. Architekten waren der spätere Straßburger Dombaumeister August Hertel und Skjold Neckelmann, die den 1888 ausgelobten reichsweiten Wettbewerb gewannen.

Gebaut wurde die Kirche dann von 1891 bis 1894 unter der Leitung von Heinrich Wiethase als neogotische Hallenkirche. Der Turm, Blickfang vom Ring aus, ist mit 77 Metern der zweithöchste Kirchturm in Köln. In 42 Metern Höhe verfügt der Turm über eine umlaufende Galerie. Der Turmhelm über der historischen Uhr ist in 60 Metern Höhe durch eine offene Laterne durchbrochen.

Auch die aufwendige Innenausstattung mit zahlreichen Verzierungen verkörperte den ganzen Stolz der aufstrebenden evangelischen Gemeinde in Köln. Obwohl in den Detailformen der Neugotik zuzuordnen, nähert sich der Typ der Emporenhalle näher der Neurenaissance. Dies kam insbesondere in den Wandmalereien an der Chorwand und den flankierenden Schulterwänden zum Ausdruck, die von Karl Christian Andrae ausgeführt wurden. Den restlichen Raum malte Jusef Julian Renard aus. 

Einweihung feierte die Kirche am 2. Dezember 1894. Erster Pfarrer war Carl Jatho.

Auf der alten Orgel der Christuskirche Köln gab unter anderem Albert Schweitzer ein Konzert.

Die Christuskirche Köln nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs

Die Nähe zum Kölner Westbahnhof wurde der Christuskirche während des Zweiten Weltkriegs zum Verhängnis. Sie wurde in der Nacht vom 20. zum 21. April 1943 nahezu vollständig zerstört. Nur der Turm, die dahinter liegende Empore sowie das Souterrain, in dem viele Menschen Schutz vor den Bombenangriffen fanden und somit den Krieg überlebten, blieben stehen.
Nach dem Krieg wurde unter den Überbleibseln der Orgelempore eine erste Notkirche errichtet, so dass bereits am 19. August 1945 unter der Ost-Empore der Christuskirche der erste evangelische Gottesdienst im Köln der Nachkriegszeit gefeiert werden konnte.

Eigentlich plante die Stadt, die gesamte Kirche abzureißen und das Grundstück umzunutzen, um dann den Westbahnhof zu einem neuen Hauptbahnhof umbauen zu können, wobei der Stadtgarten der Bahnhofsvorplatz geworden wäre. Nicht zuletzt durch den erbitterten Widerstand der Evangelischen Kirche wurde dieser Plan aufgegeben.

Christuskirche Köln 1951

1951 wurde das Provisorium der Notkirche von den Architekten Hesse und Schulze ersetzt. Sie bauten eine schlichte Hallenkirche mit Platz für nur noch 520 Personen an den Turm an, die am 2. Advent 1951 eingeweiht wurde. Diese Hallenkirche war nie als Endzustand gedacht. Sie sollte stetig erweitert werden, um irgendwann einmal den originalen Zustand wiederzuerrichten.

Schon bald zeigte sich jedoch, dass die Kirche nicht den Bedürfnissen und Wünschen der evangelischen Christen an der Christuskirche entsprach. So wurde bereits früh der Wunsch formuliert, das Provisorium niederzulegen, um einem moderneren, dem Charakter der Gemeindearbeit an der Christuskirche eher entsprechenden Bau Platz zu machen.

Der Turm wurde 1982 unter Denkmalschutz gestellt.

Am neugotischen Turm der evangelischen Christuskirche Köln entstand dann bis 2016 anstelle des Nachkriegsbaus ein außergewöhnliches Architekturensemble aus historischer Bausubstanz, neuem Kirchenschiff, modernen Gemeinderäumen sowie Mietwohnungen, Büroflächen, einer Tiefgarage und einem neuen Gemeindegarten. Der denkmalgeschützte Turm von 1894 mitsamt der inneren Orgelempore sowie das ebenfalls denkmalgeschützte Basement, das während des Krieges als Luftschutzkeller und später als Veranstaltungsraum diente, blieben erhalten. Allein der aus dem Jahre 1951 stammende Nachkriegsbau wurde niedergelegt.

Die Diskussion über Konzeption und Neugestaltung der Christuskirche begann schon früh nach dem Krieg und sollte über Jahrzehnte anhalten. Einen ersten Gipfel erreichte sie 1971 in der Bitte des Bezirkspresbyteriums an das Presbyterium der Evangelischen Gemeinde Köln, man möge „das Provisorium der Christuskirche“ doch abreißen, um „dort ein neues Gemeindezentrum nach modernen Gesichtspunkten zu errichten“. Im Oktober 2011 beschloss das Presbyterium der Evangelischen Gemeinde Köln, das Umbau-Projekt in Eigenverantwortung zu realisieren.